Die Geschichte des Pfeffers
Der Pfefferstrauch stammt ursprünglich aus dem Südwesten Indiens. Schon vor mindestens 4000 Jahren kultivierte ihn die Bevölkerung dort ausgiebig und würzte ihre Speisen mit seinen Früchten, den Pfefferkörnern. Mit der indischen Kultur breitete sich der Pfefferanbau in Südostasien aus. Entsprechend sind die größten Anbauländer des Pfeffers heute Vietnam, Indonesien, Indien und Malaysia, aber auch Brasilien und China.
Auch im alten Ägypten muss der Pfeffer bekannt gewesen sein. Zumindest wurde er dort als Hilfsmittel zur Mumifizierung verwendet. Nachdem im vierten Jahrhundert vor Christus die Heere Alexander des Großen in Indien eingefallen waren, brachten sie den Pfeffer in den griechischen Kulturraum. Dort war das scharfe Gewürz bald begehrt, doch nur die Reichsten konnten sich das Luxusgut leisten. Die Handelsrouten verliefen über das Arabische Meer, das Rote Meer, den Nil und das Mittelmeer. Zunächst wurde der regelmäßige Gewürzhandel von orientalischen Händlern beherrscht, nachdem das Römische Reich Ägypten erobert hatte, von römischen Händlern.
Ebenso wie andere exotische Gewürze wurde Pfeffer auch als Aphrodisiakum und Heilmittel verwendet. Er sollte helfen bei Verstopfung, Schlaflosigkeit, Eiterbeulen im Mund, Zahnschmerzen und vielen anderen Erkrankungen. Sogar für Augenleiden wurden pfefferhaltige Salben empfohlen. Aus heutiger Sicht gibt es allerdings keine Hinweise auf einen medizinischen Nutzen dieser Behandlungen.
Händler brachten den Pfeffer im Gefolge römischer Legionen nach Nordeuropa, wo die Germanen ihn bald schätzten. Im Laufe der Geschichte war er immer wieder Teil von Lösegeldern, Tributzahlungen und Geschenken. Im Mittelalter wurde Pfeffer neben Geld und Gold häufig als reguläres Zahlungsmittel genutzt, zum Beispiel als Pachtzahlung oder zur Schuldentilgung. Denn das Gewürz war nicht nur beliebt, sondern hielt sich bei sachgerechter Lagerung auch sehr lange.
Im Mittelmeerraum übernahmen nach dem Fall des Römischen Reichs vor allem Kaufleute aus Venedig und Genua den Gewürzhandel, dem diese Stadtstaaten einen großen Teil ihres Reichtums verdankten. Doch auch andere Händler konnten durch Pfeffer sehr reich werden. So ließen sich etwa Augsburger und Nürnberger Kaufleute, die das Gewürz auf Maultieren über die Alpen schleppten, ihre Mühen von den wohlhabenden Käufern durch ein Vielfaches des Einkaufspreises vergelten. Ähnlich zu Reichtum gekommene Händler werden seitdem auch als „Pfeffersäcke“ bezeichnet.
In den wohlhabenden Haushalten des Mittelalters wurden neben heimischen Kräutern und Pfeffer weitere exotische Gewürze wie Zimt, Muskat, Nelken, Kardamon, Ingwer und Safran in unterschiedlichen Kombinationen verwendet. Damals wurden Gewürze jedoch jedoch mit einem Mörser klein gemacht, das war damals die beste Pfeffermühle die es gab. Soweit in den überlieferten Rezeptbüchern Mengen angegeben sind, scheinen sehr scharfe und würzige Gerichte beliebt gewesen zu sein. Möglich ist auch, dass die Gewürze durch die langen Transportzeiten viel Aroma verloren. Doch vermutlich wurde durch üppiges Würzen schlicht und einfach Luxus demonstrierte.
Die Monopolstellung Venedigs und Genuas im Gewürzhandel trieb die Portugiesen an, einen Seeweg nach Indien zu finden, der das umstrittene Mittelmeer und die gefahrvolle Arabische Halbinsel vermied. Diesen Seeweg bewältigte als Erster Vasco da Gama, als er mit seiner kleinen Armada die Südspitze Afrikas umsegelte und 1498 Indien erreichte.
Die europäischen Seemächte konnten nun zwar ohne arabische Zwischenhändler Pfeffer und andere Gewürze aus Indien einführen. Doch rangen sie untereinander um die Vormachtstellung im Gewürzhandel mit Südostasien und fochten ihre Ansprüche oft mit Waffengewalt aus.
In den letzten Jahrhunderten nahm der Pfefferhandel durch den vereinfachten Gütertransport und den zwischenzeitlichen Kolonialismus deutlich zu, wodurch der Preis des Pfeffers drastisch sank. Im 18. Jahrhundert wurde das begehrte Gewürz selbst für den Normalbürger allmählich erschwinglich. Heute ist Pfeffer zwar nur noch eines von vielen exotischen Gewürzen, aber auch aus der europäischen Küche nicht mehr wegzudenken.
Weitere Informationen: